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[Nachtrag] Gedanken zu einem ungewöhnlichen Kunstwerk in unserer Kirche

 Seit einiger Zeit ist in unserer Kirche eine Skulptur zu sehen, die manches Erstaunen, zum Teil auch Anstoß hervorruft: Ein brennender Dornbusch. Dahinter steht die Geschichte von Mose, der tief in der Wüste einen Dornbusch sieht, der brennt und doch nicht von den Flammen verzehrt wird. In dieser Erscheinung begegnet ihm Gott und spricht zu ihm. (2. Mose, Kap.3)

Der Dornbusch ist für Mose wie ein Spiegel, den Gott ihm vorhält.
Die Dornen widerspiegeln die Vergeblichkeit und Armut seines bisherigen Lebens. Die Flammen, die sich nicht verzehren, stehen für das Leben, dass Gott ihn von nun an öffnet. Im dürren Geäst leuchtet Gottes Flamme und hält neue Glut für sein fast erloschenes Leben bereit.

Das Bild vom Dornbusch, der brennt, kann uns manches über unser eigenes Leben erzählen. In jedem Leben gibt es Erfahrungen mit Dornen und Gestrüpp: Wir werden verletzt in unserer Seele. Dornen reißen uns wund. Wir haben uns verheddert, stecken fest und kommen nicht weiter. So zeigt uns der Dornbusch ein wunderbares Geheimnis unseres Glaubens: Er wird  zum Zeichen unserer inneren Armut, unserer Bedürftigkeit nach Liebe, unserer Sehnsucht nach Fruchtbarkeit für unser Leben. Aber gerade dort, wo wir unsere  Begrenztheit annehmen, wo wir den Dornen, die uns das Leben zumutet nicht ausweichen, da  will  Gottes Flamme unser Leben mit Licht erfüllen und verwandeln.

Bei Jesus finden wir die Dornen wieder. Er trägt sie am Kreuz als Krone. Damit wird er zum Leidenskönig. Er wird zum König aller, die leiden und in Not sind. Ihnen will er Trost geben. In ihre Dornen will er die Glut seiner Liebe tragen. Wenn wir Christus an unserer Seite haben,  kann das Dornige Blüten treiben.

Die Skulptur wird von einem Ring umfasst, auf dem der Betrachter lesen kann, mit welchen Worten sich Gott dem Mose einen Namen gibt. Mose will wissen, was das Wesen dieses Gottes ist, der ihm da begegnet, der ihm einen so unglaublichen Auftrag erteilt, ein Volk aus der Knechtschaft in die Freiheit zu führen.  Er braucht einen Anhaltspunkt, an dem er sein Vertrauen festmachen kann.

Gott spricht zu ihm: »Sag zum Volk Israel: Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt.“ Mose hört einen Namen voller Rätsel und Geheimnise. Verschiedene    Übersetzungen aus dem Hebräischen sind möglich, die sich alle auf dem Ring unserer Skulptur finden:  

Leuchter Ich bin – Ich werde sein –  Ich bin da - Ich werde da sein – Ich bin, der ich sein werde.

Der Name steht für einen Gott, der da ist in allem, der das Leben, den Kosmos durchdringt. Ein Gott, der  fern und unergründlich sein kann und doch auch ganz nah und im Herzschlag meines Lebens spürbar. Einer, der mich immer schon erwartet, wohin ich auch gehe. Er wird da sein!
Wir sollen uns kein Bild von Gott machen, doch hat er uns sein Bild in Jesus gegeben. Dort begegnet uns sein Wesensgrund und wir erkennen, dass Gott voller Liebe zu uns ist. Der Gottesname sagt uns: Wir werden Gott nie mit unserem Denken erfassen oder verstehen, aber wir können unser Leben darauf bauen, dass er uns liebt und für uns da sein will. 



Die Erzählung von der Berufung des Mose am Dornbusch
(2. Buch Mose, 3. Kapitel, gekürzter Text aus der „Guten Nachricht“ Bibel)

Mose hütete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Als er die Herde tief in die Wüste hineintrieb, erschien ihm der Engel des HERRN in einer lodernden Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Mose sah nur den brennenden Dornbusch, aber es fiel ihm auf, dass der Busch von der Flamme nicht verzehrt wurde.

»Das ist doch seltsam«, dachte er. »Warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen!« Als der HERR sah, dass Mose näher kam, rief er ihn aus dem Busch heraus an: »Mose!«»Ja«, antwortete Mose, »ich höre!« »Komm nicht näher!« sagte der HERR.  »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.« »Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.« Weiter sagte der HERR: »Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Ägypten      unterdrückt wird. Ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. Ich weiß, wie sehr es leiden muß. Ich will es aus der Knechtschaft führen in ein fruchtbares und großes Land, ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Deshalb schicke ich dich zum Pharao! Du sollst mein Volk aus Ägypten herausführen.«  Aber Mose wandte ein: »Ich? Wer bin ich denn! Wie kann ich zum Pharao gehen und das Volk Israel aus Ägypten herausführen?«  Gott antwortete: »Ich werde dir beistehen. Ich werde für dich da sein«
Mose sagte zu Gott: »Wenn ich nun zu den Leuten von Israel komme und zu ihnen sage: 'Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch geschickt', und sie mich dann    fragen: 'Wie ist sein Name?' - was soll ich ihnen sagen?« Gott antwortete:

»Ich bin da«, und er fügte hinzu: »Sag zum Volk Israel: 'Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt.



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