Aus der Geschichte unserer Stadtkirche St. Jakobus

Nicht nur als sichtbares Zeichen einer lebendigen Gemeinde hat unsere Stadtkirche zentrale Bedeutung, sie ist auch wesentliches steinernes Zeugnis der Geschichte Ilmenaus.

Die früheste Geschichte des Kirchenbaus liegt im Dunkeln, Aufzeichnungen darüber gibt es nicht.
Allerdings sind 1997 bei Ausgrabungen im Inneren Mauerreste von Vorgängerkirchen zutage gekommen, die bis ins 12./13. Jahrhundert zurückverweisen. Damit wurde ersichtlich, dass zu dieser Zeit der älteste Steinkirchenbau Ilmenaus (als Apsis-Saalkirche) entstanden sein muss.
Ebenfalls nachzuweisen sind Reste des Nachfolgebaus aus dem 13./14. Jh. an gleicher Stelle (als Kirche mit Querhaus).
Zwei Schauschächte am Beginn des Altarraumes machen diese Zeugnisse der Kirchengeschichte Ilmenaus dem interessierten Besucher sichtbar.

Viele Veränderungen hat unsere Kirche seitdem erfahren. So ist das heutige Kirchengebäude im Wesentlichen das Ergebnis von drei baugeschichtlichen Abschnitten. Belege dafür lassen sich überall entdecken.

1. Die spätgotische Hallenkirche

Sie wurde wahrscheinlich um 1500 erbaut, als Ilmenaus Entwicklung zur Stadt zu einem gewissen Abschluss gekommen war. Neben späteren Bauberichten legen auch die architektonischen Elemente dies nahe. Denn noch heute prägen die damals entstandenen gotischen Formen den Kirchenraum sichtbar: das Langhaus mit den Strebepfeilern und der Chorraum mit dem dreiseitigen Schluss und den Spitzbogenfenstern.

2. Die Renaissanceanbauten

In den Jahren 1603 und 1624 beschädigten verheerende Stadtbrände die Kirche in großem Außmaß.
Die darauf folgenden Renovierungs- und Neubauarbeiten erfolgten im Renaissancestil. Es wurden Logen zu beiden Seiten des Altarraumes eingebaut, ebenso die Emporen im Kirchenschiff. In diesem Zusammenhang entstanden auch die beiden Treppentürme mit Renaissanceportalen außen an der Westseite der Kirche. Die über den Portalen befindlichen Wappensteine kamen allerdings erst zu Beginn des vorigen Jahrhunderts dazu: über dem nördlichen Portal (d.h. links) das Wappen des Henneberger Geschlechts und über dem südlichen Portal (rechts) das Wappen des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach – Zeichen der verschiedenen Herrschaftszugehörigkeiten Ilmenaus im Laufe der Jahrhunderte.

3. Die spätbarocken Umgestaltungen

Im Jahr 1752 wurde Ilmenau von der größten Brandkatastrophe seiner Stadtgeschichte heimgesucht. Binnen kurzem lag das Stadtgebiet in Schutte und Asche, auch die Kirche war schwer betroffen und brannte großenteils ab.
Es war schwer, die großen Zerstörungen in der Stadt wieder zu beseitigen. So konnten die Bauarbeiten an der Kirche erst 1760 beginnen. Dank der Förderung durch die Landesmutter Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar, ging es zügig voran, und schon 1761 wurde die neue Kirche eingeweiht.
Die damals vorgenommene spätbarocke Umgestaltung ist im Kirchenschiff erkennbar an den Portalrahmen und an den niedrigen und hohen Flachbogenfenstern mit ausgeprägtem Schlussstein. Auch die Ausstattung des Kircheninneren wurde verändert. So erfuhren Kanzel, Altar und Leuchter, Taufstein und Orgelgehäuse eine durchgreifende barocke Neugestaltung.
Im äußeren Bereich kam 1769/70 noch der barocke Kirchturm hinzu, der das Stadtbild bis heute prägt. Mit seiner Errichtung war das Kirchengebäude, wie wir es kennen, vollständig.

Leider war die St. Jakobuskirche, wie viele Kirchen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, zur Wendezeit 1989 in einem beklagenswerten Zusand. Den vielfältigen Anstrengungen der Kirchengemeinde und aller ihrer Unterstützer ist es es zu verdanken, dass wir uns das heute nicht mehr wirklich vorstellen können.

Wir laden Sie herzlich zur Besichtigung ein - nach einem Gottesdienst oder während der Zeiten der „Offenen Kirche“.

Der Türmer von St. Jacobus

Der Türmer von St. Jakobus hatte nicht nur die Aufgabe, die Kirchturmglocken zu läuten und das Uhrwerk in Gang zu halten, sondern er musste auch Feuermeldedienst ausführen. Bemerkte er mit bloßem Auge oder mittels Perspektiv (Fernrohr) einen Brand, so läutete er die Sturmglocke. Erst viel später war er per Telefon mit der Feuerwehr verbunden.
1899 beging der Stadttürmer Gottschall sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Es war Brauch, dass er nachts alle ¼ Stunde (alle 15 Minuten !) die Glocke per Hand anschlug. So hatten die Ilmenauer Bewohner die Gewissheit, dass ihr Türmer nicht schlief.
1906 erhöhte man das Holzdeputat für den Glöckner um 3 Raum-Meter.
1907 wurde wieder einmal die Stadttürmerstelle ausgeschrieben. Das Einkommen bei freier Wohnung und freier Heizung betrug 500 Mark (jährlich !!!).
1907 begann Reinhold Preiß seinen Dienst als Glöckner von St. Jakobus. Er hatte 11 Kindern. Diese schliefen im Raum bei den Zifferblättern. Für sie wurde auf dem Kirchboden eine Schaukel angebracht.
1956 wurde Fredo Schrickel letzter Türmer. Er war gleichzeitig Küster (Kirchendiener).

Die Kreuzkirche (Friedhofskirche) zu Ilmenau

Kreuzkirche Ilmenau
Kreuzkirche Ilmenau

Ihre erste Erwähnung in der Chronik der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde findet die Kreuzkirche im Jahre 1752.
Nachdem die "schöne Stadtkirche St. Jakobus" bei dem großen Brand zerstört worden war, versammelte sich die Gemeinde in der "kleinen hölzernen Kirche vor dem "Oberthore auf dem Friedhofe", der sich wohl seit 200 Jahren dort befindet, früher war er um die St. Jakobuskirche herum angelegt.
Die Kreuzkirche soll nach einem der vielen Stadtbrände, bei denen auch immer wieder die St. Jakobus-Kirche betroffen war, gebaut worden sein. Die Chronik berichtet:

Im Jahre 1755, am 26. August, 22.30 Uhr, wäre sie bei einem Kienrußbrand fast mit abgebrannt, aber eine davor stehende große Linde beschützte sie vor dem Funkenflug. Noch vor wenigen Jahren konnte man an der Westseite der Kreuzkirche den riesigen Baumstumpf der alten Linde sehen. Heute befindet sich dort eine Rasenfläche

1836 wurde auf der Nordseite das Friedhofes ein neues Leichenhaus gebaut, die Kirchgemeinde gab dazu 200 Taler. Das Oberkonsistorium in Weimar genehmigte den Abbruch der "alten, wenig brauchbaren Gottesackerkirche" mit der Maßgabe, dass die Stadt an ihrer Stelle einen Betsaal bauen sollte. Anscheinend ist dies nicht geschehen. Denn 1851 stiftete ein Unbekannter eine größere Geldsumme zur Wiederherstellung der Friedhofskirche unter der Bedingung, dass sie bis Michaelis (29.9.) 1852 fertiggestellt sein müsse und in ihr jährlich mindestens 2 Gemeindegottesdienste gehalten werden sollten, nämlich zu Ostern und am Totensonntag; außerdem sollten Trauerfeiern in ihr stattfinden.

Zur Gedenkfeier an den großen Brand, der 100 Jahre zuvor die Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte, am 3. November 1852, konnte tatsächlich die neue Kreuzkirche eingeweiht werden. Über ihrer Eingangstür wurde ein Kreuz errichtet. Der Bürgermeister beschloss eine Haussammlung für eine neue Orgel. Ob und wann diese gebaut worden ist, steht nicht in der Chronik und ist gegenwärtig nicht bekannt.

1903 wurde die Kreuzkirche renoviert und am Totensonntag in Gebrauch genommen.

Am Totensonntag 1912 wurde eine neue Orgel in der Kreuzkirche eingeweiht.

Im 1. Weltkrieg wurde die kleine Bronzeglocke aus der St. Jakobuskirche, um sie vor dem Einschmelzen zu retten, in der Kreuzkirche aufgehängt, wo sie heute noch ihren Platz hat.

1974 wurden das Dach der Kreuzkirche und 1975 die Außenwände derselben neu beschiefert. Im gleichen Jahr wurde eine elektrische Läuteanlage installiert.

1987 wurde die Kirche im Innern erneuert. Sie wurde neu ausgemalt, erhielt eine neue Heizung, neue Bänke, einen neuen Altar und Lesepult. Die schadhafte Orgel wurde ausgebaut und vorübergehend eine Hausorgel aufgestellt.

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Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

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